Gitarrennoten

Gitarrennoten sind nur eine von vielen Transkriptionsmöglichkeiten und um es gleich vorwegzunehmen: Ein aufmerksames und detailverliebtes Ohr sowie Fingerspitzengefühl für das Heraussuchen anatomisch möglicher Bundlagen und Griffwechsel können Bücher mit Gitarrennoten keineswegs ersetzen. Die klassische Notenschrift kann gitarrenspezifische Spieltechniken wie Fingerslide, Vibrato, Pitchbending, Tremolo, Hammer On, Pull Off uvm. nicht angemessen abbilden.

Darüber hinaus sollte man sich der Tatsache bewusst sein, dass besonders die von vielen Musikverlagen passend zu populären Rock- und Pop-Alben angebotenen Bücher mit Gitarrennoten weniger auf der hundertprozentig authentischen Originalaufnahme, als vielmehr auf einer Interpretation und oftmals auch Vereinfachung des genannten Songs durch den verlagseigenen Transkriptionskomponisten basieren. Hier werden dann nicht selten Tonarten in einfacher zu spielende Register transponiert oder Soli ausgedünnt – solche Werke mit Gitarrennoten sind gelegentlich explizit als „Fakebooks“ markiert, die dem Musiker beim schnellen, einfachen „Durchmogeln“ durch das Lied helfen sollen.

Um die Bemühungen der Verleger von Gitarrennoten angemessen zu würdigen, sei jedoch auch gesagt, dass viele Herausgeber sich dieser Problematik bewusst sind und über das unmittelbar die Tonhöhen und -längen beschreibene Notenbild hinaus oftmals auch Fingersatz-Diagramme, Spieltechniken andeutende Symbole oder ausgeschriebene Hinweise in ihren kommerziellen Transkriptionen anbieten.

Für den beginnenden Gitarristen können Gitarrennoten seiner Lieblingslieder und -instrumentalparts dennoch eine unersetzbare Hilfe beim Entwicklungsschritt hin zu eigenem Repertoire, Geschmack, Technik und Harmonieempfinden sein.